Golfplatz-Bienen - Golfanlage Römerhof

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Golfplatz-Bienen

GOLFPLATZ
Was Sie immer schon über Honig wissen wollten/sollten...
Kleine Honigkunde Teil 1  hier >
Kleine Honigkunde Teil 2  hier >
Bienen sind anpassungsfähig  hier >
Die Männer haben ausgedient - bei den Bienen  hier >
Mitten im Hochsommer an den Winter denken - Was bei den Bienen jetzt ansteht  hier >
Die Sommerhonigernte - kleine Entschädigung für die magere Frühjahrsausbeute  hier >
Der erste Honig 2021 ist geschleudert - leider wenig  hier >
Sommersonnenwende - Anfang vom Ende der Bienensaison  hier >
Juni - normalerweise Hochsaison bei den Bienen   hier >
Bemerkungen zum Weltbienentag am 20.5.2021  hier >
Was Menschen zur Zeit nicht dürfen, tun Bienen: schwärmen!  hier >
Kleine Honigkunde / Teil 1

Honig „ist ein ganz besondrer Saft“, könnte man in Abwandlung der Worte von Mephisto im „Faust“ sagen. Er ist nach der Ernte aus dem Bienenstock ohne weitere Behandlung und Verarbeitung sofort genussfähig und, entsprechende Lagerung vorausgesetzt, fast unbegrenzt haltbar, sozusagen ein ideales Lebensmittel. Man kann sogar soweit gehen und sagen, dass prinzipiell jeder weitere Verarbeitungsschritt die Qualität negativ beeinflusst. Der Honigkunde weiß in der Regel nicht, was auf dem Weg von der Wabe bis auf den Frühstückstisch mit dem Honig passiert ist. Deshalb sei aus dem letzten Bienenbrief nochmal die Aussage wiederholt: „Am besten hat man einen Imker seines Vertrauens, der sicher auch gerne darüber spricht, wie er seine Bienenvölker „führt“ und seinen Honig „produziert“.“

Honig ist also ein „Lebensmittel“ und unterliegt deshalb strengen gesetzlichen Vorgaben, die in der „Honigverordnung“ geregelt sind. Dort ist subtil definiert:

„Honig ist der natursüße Stoff, der von Honigbienen erzeugt wird, indem die Bienen Nektar von Pflanzen oder Sekrete lebender Pflanzenteile oder sich auf den lebenden Pflanzenteilen befindende Exkrete von an Pflanzen saugenden Insekten aufnehmen, durch Kombination mit eigenen spezifischen Stoffen umwandeln, einlagern, dehydratisieren und in den Waben des Bienenstocks speichern und reifen lassen.
Honig besteht im Wesentlichen aus verschiedenen Zuckerarten, insbesondere aus Fructose und Glucose, sowie aus organischen Säuren, Enzymen und beim Nektarsammeln aufgenommenen festen Partikeln. Die Farbe des Honigs reicht von nahezu farblos bis dunkelbraun. Er kann von flüssiger, dickflüssiger oder teilweise bis durchgehend kristalliner Beschaffenheit sein. Die Unterschiede in Geschmack und Aroma werden von der jeweiligen botanischen Herkunft bestimmt.“

Weiterhin dürfen dem Honig keine honigeigenen Stoffe entzogen werden, allerdings darf er gefiltert werden. Dies kann die Analyse des Honigs erschweren und somit Fälschungen erleichtern, weil der Pollengehalt ein wesentliches Kriterium der Eigenart eines individuellen Honigs ist. Das mindert seinen Wert, gibt aber Fälschern die Möglichkeit, billigen Importhonig als heimischen Honig anzubieten.

Zu diesem Thema konnte man kürzlich in der FAZ Interessantes lesen:  hier >

In keinem Falle dürfen dem Honig Stoffe hinzugefügt werden. Addition von Gewürzen oder Aromastoffen führt dazu, dass das Produkt nicht mehr unter der Verkehrsbezeichnung „Honig“ verkauft werden darf.

Der Passage der oben zitierten Honigverordnung kann man entnehmen, daß die Bienen das „Ausgangsmaterial“ für ihre Honigproduktion aus zwei Quellen beziehen. Zum einen ist es der Nektar von Pflanzen, überwiegend von deren Blüten. Wenn viel von derselben Pflanzenart blüht, spricht der Imker von „Massentracht“. Dann können die Bienen an einem einzigen Tag 3 bis 5 Kilo „Blütenhonig“ in ihren Stock eintragen. Die zweite Quelle heißt „Honigtau“. Darunter versteht man Ausscheidungen von Pflanzensaft saugenden Insekten wie Blattläusen, Schildläusen und Zikaden, die die Ausscheidungen auf Blättern oder Korniferen-Nadeln hinterlassen, wo die Bienen sie aufsaugen, weil sie wegen ihres Zuckergehaltes süss sind. Der Honig der aus der „Läusekacke“, wie oft salopp gesagt wird, produziert wird, heißt „Waldhonig“.

Die Bestandteile des Nektars sind im Wesentlichen Wasser und Zucker und zwar sog. „Einfachzucker“ wie Glucose und Fructose und auch dem „Zweifachzucker“ Saccharose (unser Haushaltszucker). Der Waldhonig enthält auch sog. „Mehrfachzucker“ wie Maltose und Melezitose.

Den eingetragenen Nektar, der zu bis zu 80 Prozent aus Wasser besteht, müssen die Bienen dann im Stock auf mindestens 20 Prozent Wassergehalt „heruntertrocknen“, sonst wird er gärig. Das tun sie, indem sie ihn zwischen den Wabenzellen hin- und hertragen und dabei die Tröpfchen auf der Zunge an der Luft trocknen. Durch Enzyme wird der Honig dabei gereift. Dabei entsteht durch das Enzym Glucoseoxidase aus Glucose Wasserstoffperoxyd, welches antibiotische Eigenschaften besitzt, den Honig haltbar macht und auf den Konsumenten „gesund“ wirken lässt.

Am Ende des Trocknungsprozesses wird der „reife Honig“ mit einem dünnen Wachsplättchen von den Bienen „verdeckelt“. Dann haben sie ihre Vorräte für schlechte, blütenlose Zeiten wie den Winter konserviert.

Wenn nicht der Imker käme und den Honig „klauen“ würde.

Dr. Peter Heuschen
Bienensachverständiger beim Imkerverband Rheinland
Mitglied des Vorstandes des GC Römerhof
Kleine Honigkunde / Teil 2
Die Meldungen über manipulierten Honig reißen nicht ab: Im Spiegel stand am 12. Oktober ein Bericht, der das „Zusammenmixen“ von Honigen unterschiedlicher Provenienz und Qualität aufs Korn nimmt  hier >

Das ist ein aktueller Grund, sich zu fragen: Was macht guten Honig aus?

Die Bienen halten während der Nektarsammelzeit, imkerlich „Trachtzeit“, die Temperatur im Bienenstock bei etwa 35 Grad C, auch wenn es draußen heißer oder kälter ist. Oberhalb von 38 Grad, erst recht über 40 Grad werden die honigeigenen Enzyme zerstört; die Honigqualität leidet. In vielen Ländern, z. B. in Südamerika und Neuseeland, wird der Honig bei 66 Grad homogenisiert, um ihn haltbarer zu machen und vor Gärung zu schützen, weil dort der Honig oft „zu nass“ ist. Das Risiko der Erhitzung ist die Zersetzung des Honigs. Das Zucker-Zersetzungsprodukt heißt Hydroxymethylfurfural, HMF. Im Honig-Labor wird es zum Nachweis schonender Honigbehandlung genutzt. Für den Verbraucher ist das nicht zu erkennen.

Ein wichtiges Kriterium der Honigqualität ist der Wassergehalt, der laut Honigverordnung nicht über 20% liegen darf. Honig, der im Glas des deutschen Imkerbundes vertrieben wird, darf sogar nur höchsten 18% Wasser enthalten. Einen zu hohen Wassergehalt kann der Verbraucher nach einiger Zeit der Lagerung erkennen, da es zu einer sogenannten Phasentrennung kommt, bei der sich eine flüssige Schicht über einer festeren absetzt, häufig der Anfang vom Verderb durch Gärung.

Kein schlechtes Zeichen hingegen ist es, wenn der Honig im Glas auskristallisiert, erkennbar an weiß-kristallinen Flecken an der Innenwand des Honigglases; es ist geradezu ein Qualitätsmerkmal.
 
Nichtssagend und Unsinn sind hingegen die häufig zu findenden Bezeichnungen wie „Kalt geschleudert“ oder „ohne Zusatzstoffe“, weil das ohnehin vorgeschrieben ist.

Die Bezeichnung „Biohonig“ hat nichts damit zu tun, dass die Bienen nur biologisch angebaute Pflanzen befliegen. Das geht gar nicht, denn Bienen fliegen überall hin, wo eine attraktive Tracht steht. Diese Bezeichnung bezieht sich lediglich auf die Form der Bienenhaltung. So dürfen die Bienen nicht in Kunststoffwohnungen gehalten werden, sondern in Naturbeuten, z. B. aus Holz. Außerdem muss den Bienen ein Teil des Honigs als Winterfutter belassen werden. Zur Behandlung der Varroamilbe dürfen keine synthetischen Arzneimittel benutzt werden. „Bioland“ und „Demeter“ haben weitere Vorschriften, die der Imker beachten muss.

Presshonig“ wird nicht geschleudert, sondern aus den Waben mit einer Art Weinpresse ausgepresst. Er schmeckt meist etwas „wachsig“ herb.
 
„Wabenhonig“ wird als Stück einer frisch gebauten und verdeckelten Wabe angeboten und ist daher völlig naturrein, wenn die Wabe komplett aus Naturbau besteht und nicht mit Hilfe einer Mittelwand gebaut wurde.

Sortenhonige“ (z. B. Kastanie, Klee, Linde, Kornblume, Sonnenblume, Raps oder Akazie) unterliegen eigentlich strengen Vorschriften. Ob diese eingehalten wurden, kann der Verbraucher nicht überprüfen.

Die meisten Honige aus Deutschland werden durch Kristallisation schnell fest. Wie schnell das geschieht, hängt vom Zuckerverhältnis Glucose zu Fructose ab. Und natürlich vom Wassergehalt. Länger flüssig bleiben hierzulande nur Robinien/Akazien-Honig, Waldhonig und manchmal auch Honig aus Edelkastanie und Buchweizen. Das sagt aber auch, dass bei flüssig-bleibenden Honigen Skepsis geboten ist, da sie die og. Pasteurisierung/Homogenisierung durch Erhitzen durchlaufen haben.

Imker rühren den Honig vor dem Abfüllen häufig, um das Hartwerden zu verhindern. Dann bleibt der Honig zumindest streichfähig, da durch das Rühren die Zuckerkristalle zerschlagen werden. Wer seinen Honig aber doch eher flüssig genießen will, der sollte den cremigen oder festen Honig im Wasserbad, nicht über 40 Grad (!), also schonend, erwärmen.

Honig sollte kühl, trocken und dunkel gelagert werden. Kühlschranklagerung ist deshalb nicht schlecht. Kalter Honig verliert aber viel von seinem Aroma, sodass er rechtzeitig vor dem Genuss aus dem Kühlschrank genommen werden sollte. Einfrieren schadet dem Honig nicht, wohl aber langfristige Lagerung bei Zimmertemperatur. Honig ist praktisch unbegrenzt haltbar, wie man aus Honigbeigaben in Pharaonengräbern weiß. Ein Haltbarkeitsdatum auf dem Glas muss nur aus lebensmittelrechtlichen Gründen angegeben werden.
 
Aus dem Gesagten wird klar: Der Kauf eines reinen Naturprodukts ist Vertrauenssache. Der regionale Imker bietet dafür die größte Sicherheit.

Dr. Peter Heuschen
Bienensachverständiger beim Imkerverband Rheinland
Mitglied des Vorstandes des GC Römerhof
Bienen sind anpassungsfähig


Ende September sieht man die Bienen immer noch emsig ein- und ausfliegen. Sie starten zwar etwas später in den Tag, weil es morgens früh doch schon ganz schön kalt ist, und sind abends früher im Stock, aber wenn man sie beobachtet, sieht man, wie sie mit dicken Pollenhöschen ins Flugloch regelrecht plumpsen, so schwer haben sie geladen.

Wenn auch das Nektar- und Pollenangebot nicht mehr so groß ist, sind die Bienen im Ausfindigmachen selbst kleiner Quellen echte Meister. Außer in den Privatgärten mit ihren vielen liebevoll gepflegten Pflanzen finden die Bienen auch auf den Äckern noch einiges, insbesondere unter den sog. Zwischenfrüchten.

Zwischenfrüchte erfüllen im Ackerbau ökologische und agronomische Funktionen. Sie erhalten und verbessern die Bodenfruchtbarkeit, dienen dem Erosions- und Grundwasserschutz und sollen die Biodiversität auf dem Acker fördern. Für Bienen attraktive Zwischenfrüchte sind z. B. Phacelia, Gelbsenf, Ölrettich, Kleearten und Buchweizen. Neben der Reinsaat werden Zwischenfrüchte auch als Mischungen angesät. Die Mischungen enthalten weitere Arten wie Wicken, Ramtillkraut, Lupinen und Futtererbsen. Die Auswahl und Zusammensetzung der Reinsaat bzw. der Mischungen ist abhängig von den Kulturen, die zuvor oder im Anschluss auf der Fläche angebaut werden.

Eine gute Pollenversorgung der Bienenvölker im August und September ist wichtig, dann brüten die Bienen die langlebigen Winterbienen aus. Zwischenfrüchte können sogar im November noch blühen.

Die vier Völker auf dem Römerhof sind mittlerweile gut eingefüttert und jedes Volk hat um die 20 Kilogramm Futter eingelagert in den Waben, die uns im Sommer den Honig gebracht haben und  „ausgeschleudert“ zurückgegeben wurden. Das sind „saubere“, der Imker versteht darunter „unbebrütete“, Waben. Diese dienen gleichzeitig der Wabenhygiene für die nächste Saison. In jeder Brutzelle bleiben nämlich nach dem Schlupf der Jungbiene Reste der sog. „Puppenhäutchen“ zurück. Die Putzbienen beseitigen sie größtenteils, aber eben nicht vollkommen. Die Puppenhäutchen können Krankheitserreger enthalten, die das Bienenvolk schädigen. Außerdem werden durch die Gewebsreste die sechseckigen Zellen nach und nach kleiner, sodass aus ihnen immer kleinere Bienen schlüpfen. Die Beachtung der Wabenhygiene zur Bauerneuerung ist also eine wichtige Aufgabe des Imkers. Imker, die Honig aus bebrüteten Waben schleudern, tun zwar nichts Ungesetzliches, aber geschmacksreiner Honig sollte nur aus unbebrüteten Waben stammen. Deshalb ist das Vertrauensverhältnis des Honigkunden zum Imker so wichtig.

Die Provenienz des Honigs aus dem Supermarkt oder auch Bio-Läden ist dem Käufer in aller Regel unbekannt. Das Gleiche gilt auch für die Verarbeitung. Da steht vielleicht auf dem Glas oder der Kunststoffverpackung „aus Deutschland“ oder „aus EU-Ländern“ oder „aus nicht-EU Ländern“ oder gar „aus EU und nicht-EU Ländern“, aber durch wie viele Bottiche der Honig gegangen ist und in wie vielen Bottichen er zusammengemixt wurde, bleibt im Dunkeln. Der Kunde vertraut blind. Und kaum einer weiß, dass Honig das meistgefälschte Lebensmittel ist.

Selbst im bekannten Glas des Deutschen Imkerbundes, kurz DIB-Glas genannt, wird von „Abfüllbetrieben“ Honig unterschiedlicher deutscher Imkereien zusammengetragen. Der stammt zwar sicher aus Deutschland und unterliegt den strengen deutschen Kriterien, aber seine Herkunft ist auch hier für den Kunden nicht ersichtlich. Ich möchte aber betonen, das natürlich auch sehr viele Einzelimker im DIB-Glas abfüllen. Also immer mal einen Blick aufs Etikett werfen!

Deshalb möchte ich hier eine Lanze für unseren regionalen Honig brechen. Am besten hat man einen Imker seines Vertrauens, der sicher auch gerne darüber spricht, wie er seine Bienenvölker „führt“ und seinen Honig „produziert“. In jedem Falle sollte aber auf dem Glas eine bestimmte Imkerei mit der Adresse stehen. Da weiß man, wo der Honig herkommt und kann bei Gefallen nachordern. Und es ist nicht verkehrt, wenn der Honig aus der Nähe des eigenen Wohnortes kommt. Dem Honig wird nämlich eine gewisse antiallergische Wirkung bei Pollenallergie zugeschrieben. Er enthält somit Spuren von Pollen der von den Bienen beflogenen  Pflanzen. So wirkt er in Maßen desensibilisierend bei Pollenallergikern.

Nicht umsonst gehört der Honig zu den althergebrachten „Hausmitteln“.

Dr. Peter Heuschen
Bienensachverständiger beim Imkerverband Rheinland
Mitglied des Vorstandes des GC Römerhof
Die Männer haben ausgedient - bei den Bienen

Es ist Ende August. Bei den Bienen bedeutet das, dass neben der im letzten Bienenbrief vorgestellten Varroa-Bekämpfung und Fütterung in dieser Zeit zwei weitere wichtige Ereignisse für das Bienenvolk ablaufen.

Zum einen werden unnütze Esser entfernt und zum anderen werden die Winterbienen aufgezogen.

Die unnützen Esser sind die früher schon vorgestellten Paschas, die Drohnen. Sie sind im zu Ende gehenden Bienenjahr entbehrlich geworden bzw. werden es. Ihr (einziger) Daseinszweck ist die Befruchtung von unbegatteten Prinzessinnen, die dadurch zu befruchteten Jungköniginnen werden und für den Fortbestand der Art sorgen können. So spät im Jahr werden aber nur noch in Notsituationen, z. B. Tod der Stockmutter (jetzt der Super GAU), Prinzessinnen aufgezogen. Grund ist, dass keine ausreichende Zeit mehr zur Verfügung steht, ein überwinterungsfähiges Jungvolk aufzubauen. Mindestens 5.000 Bienen müssen bis Ende Oktober im Bienenstock zur Verfügung stehen, um die Strapazen des Winters zu meistern. Wir machen folgende Rechnung auf: Eine Königin braucht 16 Tage bis zur Geburt, dem Schlupf, dann noch etwa zwei Wochen bis sie anfängt Eier zu legen, wenn sie mangels Männern überhaupt jetzt noch begattet werden kann. 5.000 Stockbewohnerinnen sind in den verbleibenden acht Wochen nicht mehr zu erreichen. Folglich braucht man die Männer nicht mehr. Sie werden am Flugloch zurückgewiesen, was man auch als Drohnenschlacht bezeichnet, oder nicht mehr gefüttert, womit ihr Schicksal besiegelt ist.

Es geht also um die Überwinterungsfähigkeit des Bienenvolkes. Wir haben schon einmal über die Lebensdauer einer Biene gesprochen. Die ist mit maximal 6 Wochen recht kurz, zu kurz, um über den Winter zu kommen. Und ab November stellt das Volk das Brutgeschäft und somit die Aufzucht von Nachwuchs ein. Es gibt ja nichts, wofür die Evolution keine Lösung findet. In diesem Falle zieht das Volk eine spezielle Biene, die sog. Winterbiene auf. Obwohl sie sich genetisch nicht von ihren im Sommer arbeitenden Schwestern unterscheiden, leben diese Winterbienen vier bis 6 Monate lang. Das Geheimnis ihrer Langlebigkeit ist zum einen weniger arbeiten zu müssen; sie schuften sich nicht zu Tode, weil das Sammeln von Vorräten, nichts blüht, entfällt. Sie können sich, bevor es richtig kalt wird, noch „ein Ränzchen anfressen“. Das Ränzchen ist unter den Bauchschuppen verborgen und nennt sich „Fettkörper“. Davon kann die Biene zehren.

In letzter Zeit hat die Forschung aber noch einen besonderen Stoff entdeckt, der die Langlebigkeit fördert: das „Juvenilhormon“. Hormone sind, wie wir wissen, zauberhafte Stoffe. Sie werden -auch bei uns Menschen- in sehr geringen Mengen produziert, haben aber eine durchschlagende Wirkung. Leider ist das Junvenilhormon bisher nur bei Insekten gefunden worden. Mal sehen, ob es der Forschung gelingt, auch für uns ein Langlebigkeitshormon nutzbar zu machen.

Gesund, ausreichend mit Nahrung versorgt, so gut wie ohne ständig zu versorgende Männer und ausgestattet mit dem Juvenilhormon werden auch die Römerhofbienen-Damen mit ihrer Königin hoffentlich gut durch den Winter kommen.

Es ist noch etwas Zeit, aber bis zum November muss alles „in trockenen Tüchern“ sein.

Jetzt entscheidet sich, wie stark das Bienenvolk in die nächstjährige Bienensaison starten wird.

Bienen halten keinen Winterschlaf. Es ist also auch bei tiefen Minusgraden Leben im Bienenstock. Was da passiert, wird Inhalt der ab jetzt nur noch einmal im Monat erscheinenden Römerhof Bienenbriefe sein.

Dr. Peter Heuschen
Bienensachverständiger beim Imkerverband Rheinland
Mitglied des Vorstandes des GC Römerhof
Mitten im Hochsommer an den Winter denken - Was bei den Bienen jetzt ansteht

Die allermeisten Imker haben die Ernte mittlerweile eingefahren. Wie wir in den Römerhof-Bienenbriefen gehört haben, ist das Jahr 2021 für die Bienen und somit auch für ihre betreuenden Imker sehr speziell gewesen. Selbst wenn man mit Imkern spricht, die über 50 oder gar 60 Jahre sich um die Bienen sorgen, hört man immer wieder „Was für ein Jahr“. Auch wir Menschen haben dieses Jahr die Natur in besonderer Weise kennengelernt, gerade wenn man an die Katastrophen in unserer unmittelbaren Nähe denkt.

Bei aller Eigenheit des Imkervölkchens, das als eher geizig gilt, gibt es auch in diesem Kreis eine große Hilfsbereitschaft für die geschädigten Kollegen. Viele Völker sind vom Wasser samt ihrer Wohnungen fortgespült worden, von Honigernte dort keine Rede. Der Vorsitzende des Kreisimkerverbandes Ahrweiler erzählte mir, dass er von über 20 Imkervereinen Hilfsangebote bekommen hat. Zu vier Imkern gibt es, Stand 16. August, immer noch keinen Kontakt. Die Verluste sind noch nicht genau bekannt und vorerst gilt es für die Menschen, sich selbst wieder ein Lebensumfeld zu schaffen. Dann kommen die Bienen. Das wird erst zum nächsten Frühjahr der Fall sein.

Da können die Römerhofbienen und ihr Imker trotz des „besonderen Jahres“ doch mit dem zuletzt berichteten Honigeintrag sehr zufrieden sein. Auch das Bienenturnier war ein voller Erfolg und wird hoffentlich im nächsten Jahr schon zur Tradition.

Zwei Dinge sind nun wichtig für die Überwinterung der Bienen. Zum einen muss das Volk genug Futter, im wesentlichen Kohlenhydrate, für die kalte Jahreszeit haben. Wie wir Menschen zum Beheizen unserer Wohnung Gas, Erdöl oder andere Energieträger verbrennen, so verbrennen die Bienen Kohlenhydrate und heizen damit ihren Stoffwechsel zur Erhöhung der Körpertemperatur an. Zum anderen müssen die Bienen von kleinen Quälgeistern, die sie krank machen, befreit werden. Alle westlichen Bienenvölker leiden nämlich an einem Parasiten, einem Spinnentier, einer Milbe mit dem unheilverheißenden Namen „Varroa destructor“. Diese Milbe wurde vor Jahrzehnten ausgerechnet über Deutschland aus Asien eingeschleppt und hat sich seitdem weltweit verbreitet.

Die Milben setzen sich sowohl auf die erwachsenen Bienen als auch auf die Bienenbrut und saugen das Bienenblut, die Hämolymphe. Dieser permanente Aderlass schwächt die Bienen und führt über kurz oder lang zum Absterben des Volkes. Zu allem Überfluss übertragen die Milben auch noch krankmachende Viren auf die Bienen. Eine Varroamilbe ist 1 mal 1,5 Millimeter groß, also ganz schön groß, wenn man bedenkt, dass eine Biene zwischen 1 und 1,5 cm groß ist. Wenn wir das auf unsere Körpergröße umrechnen, ist es in etwa so, als ob ein großes Meerschweinchen sich an uns festgebissen hätte und wir es nicht los würden; eine unangenehme Vorstellung. Oft sitzt nicht nur eine Milbe auf der Biene, sondern mehrere. Imker müssen daher den Befallsgrad an Milben feststellen und bei Überschreitung bestimmter Schadschwellen unverzüglich eine Behandlung einleiten. Damit soll die Milbenpopulation so klein wie möglich gehalten werden. Ganz ausmerzen kann man sie bisher nicht.

Das Ziel der aktuell durchzuführenden Arbeiten an den Bienen ist also, die Völker einerseits mit ausreichenden Vorräten und andererseits mit möglichst geringer Zahl an krankmachenden Parasiten in und durch den Winter zu bringen. Nur dann ist das Volk in der Lage, im späten Winter und frühen Frühjahr mit genug Womenpower in die neue Nektar- und Pollensaison zu starten
 
Dr. Peter Heuschen
Bienensachverständiger beim Imkerverband Rheinland
Mitglied des Vorstandes des GC Römerhof
Die Sommerhonigernte - kleine Entschädigung für die magere Frühjahrsausbeute


Der Höhepunkt im Imkerjahr: Die Ernte des Sommerhonigs ist abgeschlossen. Im letzten Römerhof Bienenbrief stand: Ab dem 20. Juli kommt nach langjähriger Erfahrung kaum kaum noch was dazu. Dann ist „Trachtende“ wie die Imker sagen, und es wird „abgeschleudert“.
 
Auch dieses Jahr war es nicht anders. Es kam zwar die Natur in diesem Bienenjahr später in Gang, aber dennoch war zum üblichen Zeitpunkt Schluß. Ganz gut kann man das auf einer von vielen Imkern genutzten Internetseite erkennen. Diese Seite heißt „Trachtnet“. Auf ihr sind über die Republik verteilte sog. Stockwaagen und ihre Wägungen abrufbar. Die Stockwaagen sind Plattformen mit integrierter Waage, die die Gewichte der Bienenstöcke online auf Trachtnet veröffentlichen, sodass man dort sehen kann, ob der Stock schwerer wird, wie beim Eintrag von Nektar, oder leichter wird, wenn nämlich die Bienen ihre Vorräte anbrechen müssen, um genug Energie für die Aufzucht der Brut zu erzeugen. So kann man auf den Trachtnetwaagen in unserer Gegend sehen, dass seit dem 14. Juli keine Gewichtszunahme mehr zu verzeichnen war. Zeit für den Imker, den Bienen die Vorräte, den Honig, wegzunehmen. Nichts Anderes ist nämlich die Honigernte.
 
So ohne Weiteres geben die Bienen die Frucht ihres Sammeleifers aber nicht her. Man muss sie überlisten. Heute macht man das meistens mit sog. Bienenfluchten. Das ist eine Trennebene zwischen Brutraum und Honigraum. Man kann sich das wie eine „Einbahn-Katzenklappe“ vorstellen. Die Bienen können zwar aus dem Honigraum in den Brutraum, aber nicht umgekehrt. Dadurch wird der Honigraum nach und nach „bienenfrei“, sodass man den Honigraum nur noch abnehmen muss und in den Schleuderraum bringen kann. Die Alternativen zur Bienenflucht sind Abkehrbesen, mit dem man die Bienen von der Wabe vertreibt, und Laubläser, mit dem man sie runterbläst. Man kann sich vorstellen, dass die Bienen diese Prozeduren nicht einfach geduldig ertragen.

Die Imker wollen natürlich, dass ihre Völker gesund bleiben und nicht ohne Vorräte in den Winter gehen. Was ist also zu tun? Man muss schnell Ersatz für das Weggenommene leisten. Sofort nach der Entnahme des Honigs füttern die Imker die Völker mit Zucker in unterschiedlichen Zubereitungen auf. Man kann Kristallzucker mit Wasser anrühren und in einem Futtergefäß direkt in den Bienenstock stellen. Es gibt aber auch fertig zubereitete Sirupe oder Futterteig, die man den Bienen reichen kann. Der darin enthaltene Zucker ist  schon invertiert. Diese sog. Invertzucker ist als Futter für die Bienen gerade im Winter besser verdaulich als das Zuckerwasser. Die Bienen nehmen das Angebot immer an und lagern es in der Nähe ihres Wintersitzes in den Waben ein.
 
Die Ernte des Römerhof Sommerhonigs hat fast 20 Kilo pro Volk erbracht, zusammen mit dem Frühjahrshonig gab es pro Volk also 23 Kilo, für unsere Region ein etwas unterdurchschnittliches Ergebnis, wenn man auf die 26 Kilo der letzten Jahre schaut, aber doch ein kleines Trostpflaster für die Imker nach dem mageren Frühjahr.
 
Weil sie so fleißig waren, bekommen die Bienen in diesem Jahr ihr eigenes Golfturnier. Kommenden Sonntag findet das erste Bienenturnier auf dem Römerhof statt, Da gibt es viele Informationen zum Thema Bienen, eine Möglichkeit, die unterschiedlichsten Bienenprodukte kennenzulernen und natürlich auch die Chance, in den Bienenstock zu schauen. Auch die Preise der Turniersieger und Plazierten werden an diesem Tag in Form von exquisiten Bienenprodukten verliehen. Wir hoffen auf rege Teilnahme.
 
Dr. Peter Heuschen
Bienensachverständiger beim Imkerverband Rheinland
Mitglied des Vorstandes des GC Römerhof
Der erste Honig 2021 ist geschleudert - leider wenig


Im dritten Römerhof Bienenbrief konnte man lesen: „2021 ist vieles anders. Die typischen Nektarquellen der Bienen, die sog. Massentrachten, sind in diesem Jahr verregnet, bzw. war es so kalt, dass die Bienen nicht fliegen konnten. Zu diesen ersten Massentrachten gehört auch der Raps. Wir konnten beim Besuch des Römerhofs sehen, dass die Rapsblüte dem schlechten oder kalten Wetter zum Opfer fiel. Entsprechend wenig Vorräte, denn nichts andres ist der Honig für die Bienen, konnten die fleißigen Tiere eintragen. Und wenn dann doch mal was zu holen war, mussten die Bienen die Vorräte schon angreifen, um genügend Energie zum Warmhalten ihrer Brut zur Verfügung zu haben.

Wie folglich nicht anders zu erwarten, ist die Ernte des Frühjahrshonigs, das ist der Honig, der bis zum 20. Juni gewonnen wird, in diesem Jahr ungewöhnlich schlecht ausgefallen. Es gibt gerade in unserem Landesteil viele Imker, die gar keinen Frühjahrshonig ernten konnten. Aber die Gesundheit und die ausreichende Ernährung unserer Bienen stehen natürlich vor den Interessen des Imkers; für Berufsimker, die vom Ertrag ihrer Völker leben, ist das aber bitter.

Im Falle der Römerhofbienen fanden sich insgesamt 11 kg Honig nach dem Schleudern im Honigeimer, dh. 22 Gläser mit dem Standardinhalt von 500 Gramm. Honig darf laut „Honigverordnung“ maximal 20 Prozent Wasser enthalten, um als Honig bezeichnet zu werden. Vielfach wird Massenhonig im Supermarkt künstlich getrocknet, um diese Vorgabe zu erfüllen. In „normalen“ Jahren liegen unsere regionalen Imkerhonige deutlich unter 18 Prozent Wassergehalt. Dieses Frühjahr war der Honig allgemein aber kaum unter 18 Prozent zu finden; im Falle des Römerhofbienenhonigs liegt der Wassergehalt bei 18,5 Prozent.

Wenn sonst der Geschmack des Frühjahrshonig vielfach durch den Raps charakterisiert ist und er eher eine helle Farbe hat, ist der Geschmack in diesem Jahr außergewöhnlich würzig und die Farbe ist dunkler. Wer weiß, wo die Bienen diesmal gesammelt haben! Wenn man das genau wissen möchte, muss man den Honig zur Pollenanalyse in ein Spezialinstitut einschicken. Die Kosten dafür lohnen aber bei dem geringen Ertrag nicht. Wir erfreuen uns einfach am außergewöhnlichen Geschmack.

Nicht in allen Gegenden Deutschlands war die Trachtsituation so ungünstig wie bei uns. Wer sich dafür interessiert, kann sich die folgenden Grafiken ansehen.


Der Imker hofft auf die Sommersaison, die oft nach einem schwachen Frühjahr den Imker doch noch entschädigt. Diese zweite Ernteperiode ist aber kurz und muss genutzt werden. So haben die Römerhofbienen seit der Sommersonnenwende sicher schon die dreifache Menge des Frühjahrshonig eingetragen. Das laute Summen in den Linden der beiden Alleen ist beredtes Zeugnis.

Ab dem 20. Juli kommt nach langjähriger Erfahrung kaum noch was dazu. Dann ist „Trachtende“ wie die Imker sagen, und es wird „abgeschleudert“.

Dr. Peter Heuschen
Bienensachverständiger beim Imkerverband Rheinland
Mitglied des Vorstandes des GC Römerhof

Sommersonnenwende - Anfang vom Ende der Bienensaison


Wenn wir Menschen in die Sommerferien starten, gehen die Bienen in den Endspurt des „Bienenjahres“. Das neue Bienenjahr fängt nämlich im August an. Das gilt für die „Wirtschaftsvölker“, das sind die Völker, die dem Imker Honig bringen. Die im Laufe der Saison neu gebildeten Völker bezeichnet man als Jungvölker. Diese sind zahlenmäßig schwächer und werden noch bis zum Herbst erstarken, damit sie den Winter überstehen können. Im Folgejahr bezeichnet man auch sie dann als Wirtschaftsvölker.

Die Bienen bereiten sich also mitten im Sommer auf ihre Überwinterungsfähigkeit vor, denn der Winter ist beim frei in der Natur lebenden Bienenvolk die große Klippe. Die natürlichen Wohnungen der wildlebenden Honigbiene sind Baumhöhlen. Darin sind sie den Unbilden der kalten Jahreszeiten, besonders dem fehlenden Nahrungsangebot (nichts blüht) und der Witterung ausgesetzt. Sich darauf vorzubereiten, ist ihr genetisches Programm. Wildlebende Honigbienen gibt es in unseren Breiten aber kaum noch, doch dazu mehr in einem der folgenden Bienenberichte. Sie sammeln also nochmal eifrig alles, was sie im Sommer, bei sogenannter „Waldtracht“ bis in den Frühherbst hinein, finden können, um es als Winterfutter einzulagern. Das bringt dem Imker den Sommerhonig, später evtl. auch den Waldhonig.

Das Volk selber nimmt ab Juli an Zahl der Individuen langsam ab und hat Ende Oktober, ausgehend von 35 bis 50.000 um die Sommersonnenwende, die Überwinterungsstärke von mindestens 5.000, aber auch bis 15.000 Bienen erreicht. Das heißt, es sterben viele der Bienen langsam „weg“. Die Lebensdauer einer Biene im Frühjahr und Sommer schwankt je nach Beanspruchung, im engeren Sinne Arbeitsbelastung durch Hausputz, Brutpflege und Sammeln, zwischen 2 und maximal 6 Wochen. Das gilt für die Arbeiterinnen.

Die Königin lebt länger, und es gibt Berichte von bis zu 5 Jahren Lebensdauer. Durchschnittlich aber wird die Königin 2 bis 3 Jahre alt. Am Ende entscheidet das Volk über die Lebensdauer seiner Königin, da ja sein Überleben von der Eier-Legeleistung der Königin abhängt. Sollte die Gemeinschaft der Bienen, man spricht auch vom „Bien“, befürchten, das der Bestand durch zu wenige Nachkommen gefährdet ist, schafft man sich aus den jüngsten Eiern eine neue Königin, die auch Nachschaffungsköniginnen heißen. Diese kann dann, frisch befruchtet, mehr Eier legen als ihre Mutter und so dem Volk Überlebensgarantie geben. Die alte Königin wird nach und nach nicht mehr versorgt und stirbt.

Und was ist mit den Männern, den Drohnen? Das Bienenvolk ist ja von Frauen dominiert. Die Königin ist eine befruchtete Frau und die vielen Arbeiterinnen sind auch Frauen, aber unbefruchtete. Die Männer, die im Gegensatz zu den Frauen nur nach Hunderten zählen, führen ein Leben als Pascha, werden aber nur während der Zeit von April bis September gebraucht und danach fortgeschickt. Ganz selten überwintert ein Mann. Sein einziger Daseinszweck ist die Befruchtung einer Jungkönigin.

Leider wird der Liebesakt mit dem Tode „bestraft“. Denn sobald der Drohn im Flug zum Zuge gekommen ist, fällt er tot von der Königin. Aber bis dahin führt er ein Vagabundenleben im Luxus, wird gepampert und gefüttert und schaut auch schon mal in andere Völker. Er fliegt immer wieder zur Mittagszeit aus, dem bevorzugten Zeitpunkt der Prinzessinnen für den Hochzeitsflug; und schön warm muss es für „Madame“ auch sein.  Er sucht nach einer Partnerin, um sein Erbgut weiterzugeben. Wenn er erfolglos war, kehrt er wieder heim, um sich von seinen Schwestern nach dem anstrengenden Umherschweifen, durchaus mal 20 Flugkilometer, füttern zu lassen. Bei der nächsten Gelegenheit geht die Suche weiter. Ob er auch suchen würde, wenn er über sein Ende informiert wäre?

Dr. Peter Heuschen
Bienensachverständiger beim Imkerverband Rheinland
Mitglied des Vorstandes des GC Römerhof

Juni - normalerweise Hochsaison bei den Bienen

In anderen Jahren wurde im Mai schon der erste Frühjahrshonig geschleudert und zur Sommersonnenwende der zweite. Dann kam Ende Juli noch der Sommerhonig.

2021 ist vieles anders. Die typischen Nektarquellen der Bienen, die sog. Massentrachten, sind in diesem Jahr verregnet, bzw. war es so kalt, dass die Bienen nicht fliegen konnten. Zu diesen ersten Massentrachten gehört auch der Raps. Wir konnten beim Besuch des Römerhofs sehen, dass die Rapsblüte dem schlechten oder kalten Wetter zum Opfer fiel. Entsprechend wenig Vorräte, denn nichts andres ist der Honig für die Bienen, konnten die fleißigen Tiere eintragen. Und wenn dann doch mal was zu holen war, mussten die Bienen die Vorräte schon angreifen, um genügend Energie zum Warmhalten ihrer Brut zur Verfügung zu haben. Immerhin beträgt im Inneren des Stockes die Bruttemperatur 35 Grad Celsius.
 
Das Jahr 2021 wird daher bis zum Sommeranfang einen unterdurchschnittlichen Ertrag an Frühjahrshonig bringen. Der Imker hofft dann auf die Sommertracht und tröstet sich mit der alten Imkerweisheit, dass ein verregnetes Frühjahr eine gute Sommertracht verspricht. Wir werden sehen, ob das stimmt.

Den Bienenvölkern auf dem Römerhof geht es gut. Sie haben sich dem Wetter zum Trotz zahlenmäßig stark entwickelt, sodass man tatsächlich auf eine gute Sommertracht hoffen darf. Aber auch hier verlangte natürlich die Brutentwicklung eine entsprechende Heizenergie, was den Honigertrag reduziert. Aber der Honigertrag ist nur für den Erwerbsimker am Ende bedeutend. Der Freizeitimker, dazu gehören nicht weniger als 99 Prozent der deutschen Imker, ist in der Regel nicht auf den Honigverkauf angewiesen und erfreut sich neben dem Honig an der naturnahen Hege und Pflege eines wilden Haustieres.

Aber etwas Honig ist doch in allen Römerhof-Völkern eingetragen worden und einem Volk konnte sogar ein zweiter Honigraum aufgesetzt werden. Das gibt Anlass zur Erklärung des Aufbaus eines Bienenstocks, in seiner modernen Form auch als „Magazin“ bezeichnet. Der Imker verwendet häufig den Begriff „Beute“:

Man erkennt, dass die Bienenwohnung aus mehreren Etagen, auch Zargen oder Räume genannt, besteht. Die Zargen werden auf einen Boden, welcher das Flugloch enthält, aufgesetzt. Die untere Etage/n beherbergt den Brutraum, wo die Bienen ihre Kinderstube haben. Dort legt die Königin ihre Eier in die sechseckigen Zellen der Waben, die in beweglichen Holzrähmchen errichtet werden. Das können im Juni bis zu 2.000 täglich sein, was zu Volksstärken von bis zu 50.000 Bienen führen kann, durchschnittlich ca. 35.000 aber selten übersteigt. Daraus schlüpfen die Jungbienen. Die Brut muss ernährt werden, wozu Nektar und Pollen eingetragen und gelagert wird. Während der Pollen nahe am Brutnest gelagert wird, befindet sich das wichtigste Nektarlager immer oben, sodass die oberen Etage/n, ebenfalls in Rähmchen mit Waben, den Honig enthalten, den die Bienen durch oftmalige Bearbeitung des Nektars erzeugen. Die Königin wird vom Imker aus dem Honiglager ferngehalten, damit der Honig später nicht durch Brut oder Brutreste „verunreinigt“ wird. Nur aus diesen brutfreien Lager-Etagen wird nachher der Honig gewonnen. Auf die oberste Etage kommt schließlich ein Holzdeckel und darauf zum Wetterschutz ein Deckel aus Zinkblech. Damit der nicht vom Sturm weggeweht werden kann, wird er mit einem Stein beschwert.

Warten wir mal ab, was das Bienenjahr uns noch bringt.

Dr. Peter Heuschen
Bienensachverständiger beim Imkerverband Rheinland
Mitglied des Vorstandes des GC Römerhof
Bemerkungen zum Weltbienentag am 20. Mai 2021

Bei der aktuellen Corona-Diskussion mit ihren unterschiedlichen und widerstreitenden Expertenmeinungen erleben wir jetzt hautnah ein Dilemma, welches besonders die biologischen Wissenschaften betrifft: Es gibt (noch) nicht genug reproduzier- und vergleichbare Daten, die es erlauben, verlässliche Aussagen zu treffen und gesicherte Empfehlungen auszusprechen.

Viel länger erleben wir dieses Dilemma schon bei der Diskussion um das sog. „Insekten- oder Bienensterben“. Wie bei den Querdenkern gibt es bei den selbsternannten Bienenrettern auch unqualifizierte, z. T. gar esoterische Meinungen von Protagonisten, deren Argumentation jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehrt. Kurioserweise finden sie aber in den Medien oft ein Echo, und viele Irrtümer werden durch häufige Wiederholung „Wahrheit“. In der Naturwissenschaft muss man wissen und nicht glauben oder meinen.
 
2017 wurde ein Artikel, der auf Daten aus Deutschland, genauer aus der Region Krefeld, beruht in der in der wissenschaftlichen Online-Plattform PLOS veröffentlicht. Dort wurde durch Untersuchungen mit sog. Malaise-Fallen festgestellt, dass in unseren Breiten in den letzten 27 Jahren 76 Prozent der „Insekten-Biomasse“ verschwunden sind. Dies ist durch die Studien gesichert und übersteigt weltweite Schätzungen von 56 Prozent.

Leider ist die Suche nach den Ursachen sehr viel komplexer und bisher offenbar weitgehend unklar. Die üblichen Verdächtigen wie Klimawandel und Veränderung der Landschaft scheinen weniger bedeutend zu sein als angenommen. Die verbliebenen diskutierten Ursachen sind vielfältig und Bestandteil oft hitziger Diskussionen. Industriell intensivierte Landwirtschaft mit Verlust der Feldraine, Monokulturen, der Einsatz von bestimmten Pflanzenschutz- und Ernteschutzmitteln und der damit einhergehende Verlust an Futterpflanzen und Rückzugsarealen für Insekten haben hierzu zweifellos beigetragen.

Wenn man den og. Artikel liest, denkt man an den Spruch: Nichts Genaues weiß man nicht. Das liegt daran, dass so viele Kaskaden ineinander greifen, dass es keine einfache Antwort gibt, die den Rückgang der Insekten erklärt. Deshalb sollte man Berichten in Medien, die häufig von Interessengruppen beeinflusst werden, mit einer gesunden Skepsis begegnen, wenn behauptet wird, zu wissen, dass dieser oder jener Mechanismus „schuld“ ist. Die vielfach verwirrende Berichterstattung führt häufig leider dazu, dass ein allgemein vorhandenes Wissen und Verständnis über die diversen Ansprüche der Bienen, die oft beispielhaft für alle Insekten stehen, fehlt. Vielfach ist sogar nicht bekannt, dass es einen Unterschied zwischen dem Nutztier Honigbiene  und den  Wildbienen gibt.

Um es klar zu sagen: Die Honigbiene ist nicht bedroht, es geht ihr sogar verhältnismäßig gut, denn sie wird durch den Imker versorgt und betreut. Hierzulande gibt es grob 1 Million Bienenvölker, die von 100.00 Imkern gepflegt werden; Tendenz steigend. Die Wildbienen, mit ihren allein in Deutschland 550 Arten, haben es da schon schwerer. Sie sind meistens solitär lebend und auch in ihrer Existenz auf ein bestimmtes Blütenangebot angewiesen.
 
So führt der Verlust an pflanzlicher Diversität durch Monokulturen und andere vorstehende Gründe tatsächlich zu einer Bedrohung vieler Arten. Die verschiedenen Lebensformen der in Deutschland lebenden Wildbienenarten und deren sehr spezielle Ansprüche an Futter und Habitat brauchen also tatsächlich unsere Unterstützung. Die ökologische Rolle und Funktion von privaten Gärten nimmt dabei eine zunehmend wichtige Sonderstellung ein. In einem privaten Garten können nämlich ökologische Defizite zumindest ansatzweise zum Wohle der Wildbienen ausgeglichen werden.

Mit gärtnerischem Geschick und Verständnis lassen sich Habitate für Insekten und vor allem Wildbienen etablieren. Es ist schön zu beobachten, welch leidenschaftliche Begeisterung das Thema der wildbienengerechten Gärten mit sich bringt. Dabei soll